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Bad Driburg ist eine Station auf dem Jakobsweg von Magdeburg nach Köln
Bad Driburg ist eine Station auf dem Jakobsweg von Magdeburg nach Köln
Im Mittelalter führten viele Wege nach Santiago de Compostela in Nordspanien. Dort befindet sich nämlich nach der Überlieferung das Grab des Apostels Jakobus, das zum Ziel vieler Pilger in ganz Europa wurde. Die Wege, die dorthin führten nannte man Jakobswege. Einer von ihnen liegt jetzt in Bad Driburg direkt vor der Haustür. Eine neuer Wegroute beschreibt diesen interessanten Abschnitt dieses wieder entdeckten alten Pilgerweges von der Elbe zum Rhein, der in einer Linie von Ost nach West die alten Handelsstädte Magdeburg, Goslar, Höxter, Brakel, Bad Driburg mit Paderborn und Köln und Bonn verbindet.
Eine neue Route des Jakobsweges von der Elbe zum Rhein berührt auch Bad Driburg und Umgebung
Abb.: Blick auf Bad Driburg - eine Station auf dem Jakobsweg von Magdeburg nach Köln
- Die in 25 Tagestappen aufgeteilte Route folgt den alten Reiserouten der Deutschen Kaiser von ihren Pfalzen in Sachsen zu den Herrschaftszentren am Rhein, teilweise sind dies auch Handels- und Kaufmannsrouten wie zum Beispiel dem Hellweg oder der Heidenstraße im Sauerland. Muschelfunde, Pilgerzeichen, Jakobskirchen und -kapellen in Orten längs des Weges belegen, dass sie einst Durchzugsgebiete für die Jakobspilger waren. Wenn die Pilger aus dem Osten heute Bad Driburg erreichen, haben sie die Magdeburger Börde durchquert, den Harzrand berührt und den waldreichen Solling durchstiegen, bis sie dann bei Höxter die Weser überquerten.
Viel Wissenswertes zur Stadtgeschichte von Bad Driburg wird in dem Führer Wege der Jakobspilger (Band1) von Walter Töpner erwähnt. Zum Beispiel, dass auf der Iburg oberhalb von Bad Driburg Karl der Große nach der Eroberung der Sachsenfestung vor 1200 Jahren eine St. Petrus-Kirche erbauen ließ, die als älteste nachgewiesene Pfarrkirche für den Nethegau gilt. Einige Historiker meinen sogar, dass hier das von Karl dem Großen zerstörte sächsische Heiligtum, die "Irminsul", gestanden habe. Im 12. Jh. bauten die Paderborner Bischöfe auf der Iburg eine Feste, unter deren Schutz sich Driburg entwickeln konnte, bis sie 1444 von Herzog Otto von Braunschweig geschleift wird. Die Stadt Driburg selbst wurde erst um 1250 von dem Paderborner Fürstbischof Simon zur Lippe (1247-77) gegründet, der ihm auch das Stadtrecht verlieh. In der Mitte der Stadt, die mit Mauern und drei Toren umwehrten war, erbaute der Bischof um 1250 eine spätromanische Pfarrkirche. Aus dieser Zeit stammt auch die erste Münze, der sog. Driburger Pfennig. Um 1500 wird das Glashandwerk hier sesshaft und es entwickelt sich der Handel. Da die Stadt aber durch schwere Großbrände 1680 und 1683 fast völlig vernichtet wird, werden viele Spuren der Vergangenheit ein Raub der Flammen. So manches Stück, das die Anwesenheit von Pilgern in der Stadt dokumentiert hat, mag dabei verloren gegangen sein. Die Pfarrkirche Kirche St. Peter und Paul fällt nach Zerstörungen und Plünderungen im 30jährigen Krieg (1632) einer großen Feuersbrunst zum Opfer, die sogar den Turm einstürzen lässt. Aus dem Mittelalter stammen noch der Taufstein im Seitenschiff und der schöne Grabstein des am 15. Mai 1463 verstorbenen Domherrn Heinrich von Driburg (von Paderborn) am Hauptportal. Als 1893 die Kirche einzustürzen drohte wurde heutige Kirche neu erbaut und am 4 Mai 1897 geweiht. 1896 wurden die neugotischen Altäre aus Eichenholz aufgestellt, die aus der Werkstatt des bekannten Wiedenbrücker Bildhauers Brockhinke stammen.
Wenn die Jakobspilger gestärkt Bad Driburg wieder verließen, um ihren Weg nach Paderborn fortzusetzen, mussten sie zuerst das nord-südlich verlaufende Eggegebirge übersteigen, das die Wasserscheide zwischen Weser und Rhein bildet. In diesem Gebirge entspringen unzählige Quellen, die entweder durch kleine und größere Nebenflüsse in die Weser oder in den Rhein fließen. Wegen seiner landschaftlichen Schönheit ist das Eggegebirge mit einer Gesamtfläche von 59300 ha heute ein Naturpark. Der Weg oberhalb von Bad Driburg verzaubert jeden, ob Wanderer oder Jakobspilger, und versetzt ihn weltentrückt zurück in eine andere mittelalterliche Welt. Beim Kurzentrum geht es gleich hinauf zur Weberhöhe und Sachsenring oberhalb von Driburg. Durch ein Wiesengelände geht man bis zur alten Buche auf dem Knochen (Naturdenkmal). Weiter schlängelt sich der Weg bergauf durch Wiesen bis zum Waldrand zur Knochenhütte, wo der Pilger mit einem herrlichem Fernblick beloht wird und von Bad Driburg endgültig Abschied nimmt. Auf dem Ebbekamm des E1-Höhenweges erreicht man schließlich den Orientierungsstein, der den Abzweig nach Altenbecken links bergab anzeigt. Im Tal können die Pilger auf dem Radwanderweg R3 nach Neuenbecken gelangen, wo früher der sog. Horner Hellweg nach Norden abzweigte.
Heute machen sich wieder Menschen in ganz Europa auf den Weg, um auf alten Wegen ihr eigenes Land neu zu erleben und dabei Körper, Seele und Geist wieder in Einklang zu bringen. In Bad Driburg und seiner Umgebung dürfte es den durchziehenden Jakobspilgern von heute nicht schwer fallen, neue Kraft und neuen Mut schöpfen. Beides können sie für ihren langen Weg nach Santiago de Compostela noch gut gebrauchen, denn der Weg dorthin beträgt noch rund 2700 km.
Walter Töpner, Wege der Jakobspilger - Band 1 - Magdeburger Börde, Harz, Solling, Sauerland, Rheinland, Paulinus Verlag, Maximineracht 11c; 54295 Trier, ISBN 3-7902-1316-0, EUR 19,90